Wildes Eck - „Mini-Nationalpark" im Schulgarten

© S. Kropf „Natur im Garten“

Gemeinsam mit den Schüler*innen einen naturnahen Bereich im Schulgarten anlegen, heimische Pflanzen und Tiere anlocken und beobachten.

Alter: 8 - 14 Jahre
Dauer: 3-4 Unterrichtseinheiten, optional mehr
Organisation / Einrichtung: „Natur im Garten“ www.naturimgarten.at
Fächer: Biologie und Umweltbildung, Sachunterricht

Benötigte Materialien

  • Einzelne heimische Sträucher, wie z.B. Felsenbirne
  • Arbeitshandschuhe
  • Spaten
  • Gartenschere
  • Gießkanne
  • Organisches Mulchmaterial
  • Optional: Holzstücke (bevorzugt bereits morsch), Reisig und Laub, Steine

Ein wildes Eck ist ein möglichst ungestörter Lebensraum in einer abgelegenen Ecke des Schulgartens und stellt eine wertvolle ökologische Bereicherung dar. Hier wachsen heimische Sträucher, Wildblumen gedeihen im Unterwuchs, Totholz, Laub oder einige Steine dürfen liegen bleiben. Zahlreiche heimische Tiere und Pflanzen finden im wilden Eck ein Zuhause. Es entsteht sozusagen ein Nationalpark im Miniformat, der abwechslungsreiche Naturerlebnisse ermöglicht und dabei besonders pflegeleicht ist.

Ablauf

VORBEREITUNG

In Rücksprache mit der Schulleitung eine geeignete Stelle im Schulgarten auswählen, wo sich ein wildes Eck ungestört entwickeln kann. Je nach Größe des Bereichs und vorhandenem Bewuchs Jungpflanzen von einzelnen heimischen Wildsträuchern besorgen.

Die Schüler*innen bzw. Eltern werden informiert, dass für diese Aktion Kleidung erforderlich ist, die dem Wetter angepasst ist und schmutzig werden darf.

ERSTER SCHRITT: Anlage eines wilden Ecks

Zunächst werden einige wichtige Grundregeln besprochen, damit niemand verletzt wird:

  • Rücksicht auf andere nehmen und beim Arbeiten immer genügend Abstand halten.
  • Die Gartengeräte nur dazu verwenden, wofür sie gedacht sind.

Die Schüler*innen werden in Gruppen eingeteilt und bekommen verschiedene Aufgaben, wie mit der Scheibtruhe das Material herbeiführen, die Pflanzgruben ausheben, einpflanzen der Sträucher, Gießwasser besorgen, gießen oder mulchen. Nun werden die Gruppen mit Handschuhen und je nach Bedarf mit Gartengeräten ausgestattet.

Sträucher pflanzen:

Empfehlenswert sind beispielsweise Dirndlstrauch/Kornelkirsche (Cornus mas) oder Felsenbirne (Amelanchier ovalis). Diese Gehölze sind pflegeleicht und robust, außerdem liefern sie köstliches Wildobst, das von den Schüler*innen genascht oder verarbeitet werden kann. Vor allem die Felsenbirne liefert im Juni köstliche Früchte zum täglichen Naschen. Holunder (Sambucus nigra) ist ein besonders vogel- und insektenfreundliches Gehölz. Die Blüten und Früchte sind vielfältig nutzbar. Allerdings ist Vorsicht geboten, denn die Beeren sind roh giftig und können nur im gekochten Zustand als Saft, Marmelade etc. genossen werden. Generell gilt es heimische Wildsträucher zu bevorzugen, da diese besonders viele Tiere anlocken. Stark giftige oder stachelige Pflanzen vermeiden! Bezugsquellen für geeignete Sträucher können beim „Natur im Garten“ Telefon erfragt werden. Viele Informationen liefert der Heckennavigator (s.u.).

 

  • Abstand zu anderen Gehölzen von 2 Meter und mehr einhalten. Am besten versetzt pflanzen, das heißt nicht in einer Reihe. Genügend Platz einplanen für einen Saum aus Wildblumen zwischen den Sträuchern und im Übergang zum gemähten Rasen.
  • Pflanzgrube ausheben: zur Seite und nach unten mindestens 30 bis 40 Zentimeter mehr als der Wurzelballen groß ist. Je schlechter der Boden, desto größer sollte die Pflanzgrube sein.
  • Bei Sträuchern aus Wurzelware (nackte Wurzeln ohne Erdballen) die Wurzeln vor dem Einpflanzen anschneiden. Sträucher aus Ballen- oder Containerware aus dem Container nehmen und den Wurzelballen vorsichtig etwas lockern bzw. aufreißen.
  • Wurzelware benötigt einen Pflanzschnitt, also ein Einkürzen der Triebe um 1/3 bis 2/3 der Trieblänge. Pflanzschnitt bei Containerware nur bei Bedarf, falls einzelne Äste zu lang oder abgeknickt sind.
  • Den Strauch ins vorbereitete Pflanzloch setzen und darauf achten, dass er aufrecht und nicht schief steht. Der gesamte Wurzelballen muss in der Grube verschwinden. Es ist besser, eher etwas zu tief als zu hoch zu setzen. Die Wurzeln werden nicht gewaltsam in das Pflanzloch gequetscht. Stellt sich die Grube als zu klein heraus, dann muss tiefer gegraben werden.
  • Nun wird das Pflanzloch zur Hälfte mit lockerer Erde aufgefüllt und mit Wasser eingeschlämmt, dann fertig befüllt. Leichte Böden können vorsichtig angetreten werden, schwere Böden nicht. Das verdichtet den Boden zu stark. Am Rand der Pflanzgrube wird ein ca. 5 cm hoher Erdwall als Gießrand angelegt.
  • Nun wird nochmals gut angegossen. Bei Trockenheit sollte im ersten Jahr gelegentlich gegossen werden, später ist dies nicht mehr erforderlich.
  • Abschließend wird Mulchmaterial ca. einen Meter rund um den Strauch aufgebracht. Geeignet sind vor allem Laub, Grasschnitt (dünn), Stroh oder Holzhäcksel. Dies ist nur für die Anwachsphase nötig, später verrottet das Mulchmaterial.

Ziel ist es, dass das wilde Eck locker mit einzelnen Sträuchern bewachsen ist, aber noch ausreichend Platz für Wildblumen und andere Strukturen (s.u.) bleibt.

Bereicherung durch Wildblumen:

  • Heimische blühende Pflanzen können zwischen und vor den Sträuchern angepflanzt oder angesät werden. Bezugsquellen für geeignetes Pflanzmaterial oder Saatgut beim „Natur im Garten“ Telefon erfragen.
  • Ebenso möglich und sogar spannender ist es, wenn man die Natur sich selbst überlässt. Im Laufe der nächsten Jahre stellen sich heimische, standortgerechte Pflanzen von selbst ein. Die Beobachtung und gegebenenfalls Dokumentation dieses Prozesses ist für den Biologieunterricht empfehlenswert.

Abgrenzen:

Um sicherzustellen, dass das wilde Eck nicht gemäht oder betreten wird, kann eine Abgrenzung beispielsweise durch ein an niedrigen Pflöcken gespanntes Seil sinnvoll sein.

Weitere Pflege:

Das wilde Eck wird während der Vegetationsperiode möglichst in Ruhe gelassen und nicht gemäht. Bei Bedarf kann im Frühjahr etwas zurückgeschnitten und abgeräumt werden. Die Wildpflanzen dürfen sich getrost ausbreiten.

Optional: Weitere Strukturen

Totholz, Strauchschnitt, Laub oder Steine können im Bereich des wilden Ecks zu Haufen aufgeschichtet werden und erhöhen die Vielfalt zusätzlich.

Der Laub- und Reisighaufen wird am besten im Halbschatten aus im Herbst anfallendem Material angelegt. Der Haufen ist Schlupfwinkel, Überwinterungsquartier, Brutplatz und Nahrungsquelle und somit eines der wichtigsten Elemente im Naturgarten. Hier findet man Igel, Erdkröten, Laufkäfer, Glühwürmchen, Marienkäfer, Ohrwürmer, Vögel und viele mehr.

Siehe auch: Laub und Reisighaufen anlegen

Im Totholzhaufen dürfen dickere Äste und Baumreste in Ruhe vermodern. Es entsteht ein der Natur nachempfundener Lebensraum für viele Käfer, Asseln und andere Kleintiere. Auch Erdkröten und Wildbienen sind hier anzutreffen. Wird der Haufen so aufgebaut, dass einzelne Holzstücke leicht angehoben werden können, kann man die Tiere immer wieder beobachten.

Siehe auch: Totholzhaufen anlegen

ZWEITER SCHRITT: Besprechung zum Thema Biodiversität

Es wird mit den Schüler*innen besprochen, welche Pflanzen und Tiere ein wildes Eck besiedeln können.

WEITERFÜHRUNG: Nutzung zur Pflanzenbestimmung und Tierbeobachtung

Das wilde Eck kann und sollte über Jahre hinweg an Ort und Stelle bleiben. Es stellen sich im Laufe der Zeit eine Vielzahl an Pflanzen und Tieren ein, die es zu entdecken und zu beobachten gilt. Es lohnt sich auf Entdeckungsreise zu gehen, auch wenn viele Pflanzen eher unscheinbar sind und viele Tiere ganz im Verborgenen leben.

Das wilde Eck möglichst vorsichtig betreten. Die optische Vielfalt der Pflanzen kann leicht erfasst werden. Schwieriger ist es, diese auch zu bestimmen. Hier können Apps zur Pflanzenbestimmung, wie beispielsweise die „Flora Incognita App“ sehr hilfreich sein.

Durch das vorsichtige Absuchen der Pflanzen, Stöbern in der Streuschicht, Umdrehen von Holzstücken etc. können Kleintiere mit hoher Wahrscheinlichkeit gefunden werden. Dabei aber behutsam vorgehen, um nichts zu zerstören.

Die Forschungsreise im Schulgarten wird mit der passenden Ausrüstung erst so richtig spannend. Besonders empfehlenswert sind Becherlupen, in denen die gefangenen Kleintiere eine Weile aufbewahrt und mit der Lupe vergrößert betrachtet werden können. Krabbelnde Insekten können mit Hilfe eines Pinsels oder Löffels vorsichtig in eine Becherlupe befördert werden. Auch größere Behälter aus Plexiglas mit Luftschlitzen sind sinnvoll. So können Tiere in Ruhe angeschaut und ihr Verhalten studiert werden.

Alle gefangenen Tiere vorsichtig und mit Respekt sowie Umsicht behandeln! Direkt nach der Beobachtung werden die Tiere unbeschadet an den Ort zurückgebracht, an dem sie gefunden wurden. Schließlich wollen wir behutsam mit unseren Mitgeschöpfen umgehen und dies auch vermitteln.

Eine besonders erwähnenswerte Pflanze für wilde Ecken ist die Brennnessel. Sie wirkt wie ein Magnet auf etliche Schmetterlinge, denn für fast fünfzig Arten stellt sie eine wichtige Futterpflanze dar. Die Raupen von Landkärtchen, Kleinem Fuchs, Admiral und Tagpfauenauge ernähren sich ausschließlich von Brennnesselblättern.

Kompetenzorientierte Lernziele

  • Die Lernenden sind in der Lage sachgemäß mit Materialien und Gartengeräten umzugehen, Sträucher einzupflanzen und gemeinsam etwas zu gestalten.
  • Ihnen ist die Bedeutung von Strukturen im Garten für die Biodiversität / Vielfalt der heimischen Tier- und Pflanzenwelt bewusst.
  • Optional: Sie können erklären, welche Pflanzen und Tiere in einem naturnahen Gartenbereich leben und warum.

Weiterführende Ideen

Eine weitergehende Beschäftigung und Bestimmung der gefundenen Tiere im wilden Eck ist möglich und empfehlenswert.

Siehe auch: Lieblingstier untersuchen

Weitere empfehlenswerte Elemente für das wilde Eck:

Siehe auch: Laub und Reisighaufen anlegen

Siehe auch: Totholzhaufen anlegen

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Download und weiterführende Links:

Gestaltungstipps für Ihren Schulgarten und Informationen
zu gartenpädagogischen Fortbildungen finden sie unter:
www.naturimgarten.at/gartenpaedagogik

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