Ein Igelhaus bauen

Mit einfachen Mitteln gemeinsam mit den Schüler*innen ein naturnahes Gartenelement bauen, heimische Tiere anlocken und beobachten.

Alter: 10 - 14 Jahre
Dauer: 3-4 Unterrichtseinheiten
Organisation / Einrichtung: „Natur im Garten“ www.naturimgarten.at
Fächer: Technisches Werken, Textiles Werken, Biologie und Umweltkunde

Der Bau eines Igelhauses ist eine gute Möglichkeit, den Werkunterricht mit Biologie und Umweltkunde zu verknüpfen. Die Schüler*innen lernen an einem praxisnahen Beispiel, wie heimische Tiere im Schulgarten gefördert werden können. Sie beschäftigen sich mit der Lebensweise und Gefährdung des Igels, verbessern die Lebensgrundlage dieses liebenswerten Gartentieres und erfahren dabei exemplarisch ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten.

Benötigte Materialien

  • Bretter aus unbehandeltem Holz laut Bauplan
  • Schrauben
  • Akkuschrauber

Ablauf

SCHRITT 1: BESPRECHUNG ZUR LEBENSWEISE UND GEFÄHRDUNG DES IGELS

Der Igel ist ein gern gesehener Gast im Schulgarten. Als standorttreuer Geselle wandert dieser Einzelgänger nachts von Garten zu Garten. Um sich mit ausreichend Nahrung zu versorgen, braucht er ein großes Revier. Der freie Zugang zum Garten (z. B. Verzicht auf durchgehende Mauersockel und bodennahe Zäune) ist für das Überleben dieses stacheligen Säugetieres von großer Bedeutung. Der Garten sollte naturnah gestaltet sein mit Hecken und Gebüschen, außerdem mit wilden Ecken und Laub und Reisighaufen. Je weniger aufgeräumt ein Garten ist, desto besser für den Igel!

Nachwuchs: Für die Aufzucht der Jungen sind geschützte und ungestörte Bereiche im Garten erforderlich. Igel kommen blind zur Welt und werden von der Mutter versorgt. Nach ca. zwei Monaten verlassen sie das gut gepolsterte Nest, um selbstständig nach Nahrung zu suchen. Auf dem Speiseplan stehen Raupen, verschiedenste Insekten, Schnecken und Würmer, seltener auch Früchte und Beeren.

Winterschlaf: Igel gehen je nach Witterung ab Mitte Oktober in den Winterschlaf. Ab diesem Zeitpunkt sollten die Igelbehausungen bereitstehen. In einem Naturgarten finden Igel meist ganz von selbst den geeigneten Winterplatz: Reisig- oder Altholzhaufen, die einen Hohlraum bilden, ein Laubhaufen, der mit dickeren Ästen vor Verwehungen gesichert ist, oder einfach eine umgedrehte Obstkiste, die mit etwas Reisig und Laub bedeckt ist. Wichtig ist, diese Plätze bis in den April hinein in Ruhe zu lassen, um den Igel nicht zu früh aus seinem Winterschlaf zu wecken.

Gefährdung: Viele Igel werden im Straßenverkehr totgefahren, auch Mähroboter sind eine Gefahr. Giftige Spritzmittel sind problematisch für den Igel. Zäune sind eine Gefahr, denn die Igel können nicht von Garten zu Garten wandern und bleiben manchmal darin stecken.

Auswirkungen des Klimawandels: In den immer heißer werdenden Sommern leiden Igel an Durst. Auf der Suche nach Wasser legen sie weite Wege zurück. Das bringt sie in Gefahr durch Autos oder Zäune. Da trockene Böden sehr hart sind, können die Igel kaum noch nach Würmern und anderen Bodenlebewesen graben.

Im Winter schlafen Igel normalerweise von November bis April. Durch den Klimawandel ist es im Winter immer öfter so warm, dass sie früher wach werden. Das Problem: Im wachen Zustand verbrauchen Igel innerhalb von nur zwei Wochen den Speck, der im Winterschlaf für die gesamte kalte Jahreszeit reichen sollte. Dann leiden sie Hunger, weil es so früh im Jahr zu wenig Nahrung gibt. Sie müssen frieren, wenn es danach noch einmal kalt wird, denn Stacheln schützen nicht vor der Kälte. Auch die Jungen werden in warmen Wintern zu früh geboren und erfrieren, wenn es danach zu einem Kälteeinbruch kommt.

Wie wird der Igel gefördert?

  • Auf Pestizide im Garten verzichten und vor allem kein giftiges Schneckenkorn verwenden.
  • Ungehindertes Wandern von Garten zu Garten ermöglichen, beispielsweise durch ein Loch im unteren Bereich des Zauns.
  • Den Garten strukturreich gestalten, mit vielen Versteckmöglichkeiten und großem Nahrungsangebot. Auf Mähroboter verzichten oder diese nur tagsüber betreiben.
  • Eine Wasserstelle zum Trinken anbieten, beispielsweise durch die Anlage eines Miniteiches in einem größeren Kübel oder einer alten Badewanne. Aber Achtung: Darauf achten, dass Teiche, Pools und andere Wasserstellen flache Ufer besitzen, sodass hineinfallende Tiere leicht wieder hinaus können. Sind die Ufer zu steil, eine Ausstiegshilfe in Form eines Brettes anbieten.
  • Laub-/Reisighaufen anlegen oder ein Igelhaus aufstellen.
  • Hilfsbedürftig sind Igel, die im Winter herumlaufen und zu dünn sind. Mit speziellem Igelfutter, alternativ Katzenfutter kann man sie aufpäppeln. Niemals Milch füttern! Milch kann bei Igeln zu lebensbedrohlichem Durchfall führen. Verletzte Igel zu einer Igelstation bringen.
    Igel sind vielfältigen Gefahren ausgesetzt. Da Igel gerne in der Nähe des Menschen leben, ist es naheliegend und sehr einfach möglich, ihnen in unseren Gärten einen Lebensraum zur Verfügung zu stellen.

SCHRITT 2: BAU DES IGELHAUSES

Die Schüler*innen arbeiten am besten in Kleingruppen zusammen. Daher gegebenenfalls mehrere Igelhäuser herstellen, damit alle sinnvoll beschäftigt und die Gruppen nicht zu groß sind.

Es werden Bretter aus unbehandeltem, mindestens 2 Zentimeter dickem Holz laut folgendem Bauplan benötigt. Die Bretter entweder zuschneiden lassen oder falls möglich gemeinsam mit den Schüler*innen auf die passenden Längen zersägen. Hierbei können die Lernenden erproben, einen Bauplan in die Realität umzusetzen.

Nun die Bretter passend zusammenschrauben.

Das Igelhaus wird an einer ruhigen Stelle im Schulgarten, nach Möglichkeit unter einer Hecke aufgestellt. Unter das Igelhaus kommt am besten eine Drainageschicht aus Mulchmaterial oder Steinen. Das Haus selbst kann mit trockenem Laub und Stroh ausgepolstert werden. Außerdem kann es in einen Laub-/Reisighaufen eingebaut werden, das erhöht zusätzlich den Schutz.

Wenn mehrere Igelhäuser gebaut wurden, sollten diese nicht nur im Schulgarten, sondern beispielsweise in einem nahe gelegenen Park oder in privaten Gärten aufgestellt werden.

Weiterführung:

In den folgenden Jahren kann das Igelhaus beobachtet werden. Falls das Haus im Winter bezogen wird, ist dies kaum festzustellen, da der Bewohner schläft und auch dringend in Ruhe gelassen werden sollte. Im Sommer hingegen, falls das Haus zur Kinderstube genutzt wird, herrscht ein reges Kommen und Gehen des Muttertieres, da die Jungen gefüttert werden müssen.

Da die Igel nachtaktiv sind, ist während des Schultages kaum eine Beobachtung möglich. Spannend ist aber das Aufstellen eines sogenannten „Igeltunnels“, mit dem die nächtlichen Spuren sichtbar gemacht werden können. Informationen dazu sind im Internet verfügbar.

Kompetenzorientierte Lernziele

  • Die Lernenden sind in der Lage eine Bauanleitung zu lesen und umzusetzen
  • Sie können sachgemäß mit Holz und Werkzeug umgehen und gemeinsam ein Werkstück herstellen.
  • Sie können die Lebensweise von Igeln erklären, außerdem was die Ursachen für ihre Gefährdung darstellen und mit welchen Maßnahmen sie gefördert werden können.
  • Ihnen ist die Bedeutung eines naturnahen Gartens für die Biodiversität / Vielfalt der heimischen Tierwelt bewusst.

Weiterführende Ideen

Das Igelhaus kann durch einen Laub-/Reisighaufen zusätzlich aufgewertet oder ersetzt werden als Überwinterungsquartier für diesen wichtigen Nützling im Schulgarten.

Siehe auch: Laub-/Reisighaufen anlegen

Download und weiterführende Links:

Gestaltungstipps für Ihren Schulgarten und Informationen
zu gartenpädagogischen Fortbildungen finden sie unter:
www.naturimgarten.at/gartenpaedagogik

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